Wie viel Frau ist zu viel Frau?

Sep 6, 2015 | Thoughts | 25 Kommentare

Ich bin nun wirklich keine Feministin – so gar nicht – aber irgendwie musste ich mir im Rahmen meines Studiums, meiner verschiedenen Jobs und jüngst in Anbetracht meiner Abschlussprüfung  schon so einige Male die Frage stellen, wie weiblich ich eigentlich sein darf, um ernst genommen zu werden.

Es ist nunmal ein Fakt, dass Frauen in Führungspositionen immer noch eine Seltenheit sind. Aber warum sollte ich dieses harte Studium und diese quälenden Prüfungen auf mich genommen haben, wenn ich nicht genau solch eine Führungsposition anstrebe? Und das tue ich auch! Ich möchte gerne erfolgreich in meinem Job sein und anerkannt werden, als Frau (!) und ja: Ich möchte gerne viel Geld verdienen und zwar genauso viel, wie es auch ein Mann verdienen würde.
Und trotzdem möchte ich dabei ICH bleiben: Eine Frau, die auch gerne eine Frau ist, die sich für Mode interessiert, ihre Nägel lackiert, gerne Highheels trägt, gerne Klatsch-und Tratschzeitschriften liest, gerne Sex and the City schaut…So bin ich nämlich! Und ich mag es nicht, mich zu verstellen und ich frage mich um ehrlich zu sein auch, warum das nötig sein sollte!?
Aber ich habe festgestellt, dass es manchmal tatsächlich nötig ist und ich selbst habe mich auch schon einmal verstellt, zumindest rein äußerlich. Erst kürzlich…zu meiner mündlichen Prüfung.
Ich war in einer wirklich denkbar schlechten Ausgangssituation, ich bin mit Vornoten in diese Prüfung gestartet, die ich niemandem wünsche. Ich war wochenlang ein Frack, mein Nervenkostüm hing an einem seidenen Faden und deswegen war ich bereit in dieser mündlichen Prüfung alles zu geben, um zu bestehen und wenn möglich mit einem Notensprung.
Ich möchte vorweg nehmen, dass mir das gelungen ist und ich glaube nicht wirklich, dass es daran lag, dass ich meine Weiblichkeit weitestgehend verborgen habe… aber vielleicht hat es doch auch eine Rolle gespielt? – wer weiß das schon?

Aber von Anfang an, schon in Vorbereitung auf meine mündliche Prüfung während des ersten Staatsexamens habe ich in Büchern immer wieder gelesen, dass es von herausragender Bedeutung ist, was man trägt und wie man sich gibt. Selbstverständlich sollte jeder diesem wichtigen und besonderen Anlass den nötigen Respekt zollen und nicht unbedingt in Shorts und Flipflops erscheinen…Aber in den Vorbereitungsbüchern habe ich andere Anforderungen gelesen. Zum Beispiel, dass es besser sei einen Hosenanzug zu tragen, als einen Rock, oder dass FRAU es auf jeden Fall vermeiden sollte, die Haare offen zu tragen, da eine lange wallende Mähne inkompetent wirke (das ist kein Scherz, so stand es in diesem Buch). So richtig habe ich diese Ratschläge, Hinweise, Anweisungen (wie auch immer man es nennen möchte) nicht befolgt. Zwar habe ich mein Haar zusammengebunden, aber in solch einen Hosenanzug konnte und wollte ich mich nicht reinzwängen, das war und ist einfach so gar nicht meins. Also habe ich einen knielangen Rock getragen, nicht besonders figurbetont oder so, es war nur eben ein Rock. Ich weiß nicht genau, ob es wirklich daran lag, aber so besonders gut lief meine Prüfung damals nicht.
Wie schon gesagt, dieses Mal war ich bereit alles für diese Prüfung zu tun, also habe ich auf alles, was auch nur einen Anschein von Weiblichkeit bedeutet, verzichtet. Ich trug eine gerade geschnittene Businesshose, die mir sogar ein wenig zu groß war, eine schmale flache Stiefelette, eine gerade geschnitten fliederfarbene Bluse, einen strengen Dutt.
Alles in Allem war das nicht ich.
Ich habe mich zwar nicht besonders unwohl gefühlt, also nicht mehr als ich es in dieser Situation sowieso tat, aber ich habe mich nicht wie ICH gefühlt.
Ich bin rückblickend sehr zufrieden, dass ich mich für dieses Outfit entschieden habe, aber dennoch finde ich genau diese Tatsache auch etwas schade. Und wäre es für mich nicht so wichtig gewesen, diese Prüfung bestmöglich hinter mich zu bringen, hätte ich mich wahrscheinlich wieder für ein anderes Outfit entschieden.
Ich will meine Weiblichkeit nicht verstecken! Und auch wenn ich der Meinung bin, dass es nicht angebracht ist, zu kurze Röcke, zu tief ausgeschnittene Blusen o.ä. im Job zu tragen, so sollte es doch trotzdem möglich sein Kleidung zu tragen, die zeigt: Ich bin eine Frau und ich bin stolz darauf!
Ich habe genauso, wie ein Mann gelernt, studiert und gekämpft, um so weit zu kommen. Ich kann genauso hart arbeiten wie ein Mann und ich kann genauso hart drauf sein wie ein Mann, nur mit dem Unterschied, dass ich kein Mann bin und ich will auch nicht so aussehen wie ein Mann und ich denke, dass die meisten Männer auch nicht wollen, dass wir Frauen uns kleiden und geben wie Männer.

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Also mein Mann stellt sich mich in einem Businessoutfit ungefähr so vor, wie auf den Bildern 😉
Und ich selbst fühle mich so auch extrem wohl. Ich fühle mich angezogen, seriös, stark, weiblich und etwas sexy….

25 Kommentare

  1. Großes Lob an dich, du gibst dir wirklich wahnsinnig Mühe mit deinen Beiträge – deinen Texten und Fotos.
    Ich kenne diese Situation nur zu gut. Ich würde mich mit zusammengebundenen Haaren zum Beispiel total unwohl fühlen – das bin einfach nicht ich. Aber es gibt ja auch noch andere Wege seine Haare hinter zu stecken (vielleicht nicht komplett hoch stecken), um nicht mit einer wallenden, offenen Mähne anzurücken.
    Es ist schon so, dass man ausstrahlt, wie man sich fühlt. Wenn das Outfit stimmt, stimmt auch die Ausstrahlung und man ist selbstbewusster. Deshalb nicht zu viel Einschränkungen akzeptieren und sich einfach versuchen angemessen und seriös zu kleiden und sich selbst treu bleiben.
    Mir gefällt deine Bluse übrigens wahnsinnig gut! 🙂
    Liebst,
    Christina von http://lifeas-christina.blogspot.de

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  2. Ich denke, dass es in erster Linie darum geht sich selbst treu zu bleiben. Ich habe mir zum Glück ein Berufsfeld ausgesucht, dass mir einen großen Freiraum im optischen bietet 🙂

    Liebe Grüße,
    Leonie

    http://www.allispretty.net

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  3. Toll geschriebener Beitrag! Und dein Business-Outfit ist super schick und weiblich – passt perfekt zu dir :).

    Liebe Grüße
    Priscilla

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  4. Toller Beitrag! Ich kann auch immer noch nicht nachvollziehen, warum es Unterschiede zwischen Männern und Frauen geben soll in der Berufswelt…immerhin haben wir eine Frau als Bundeskanzlerin – mehr Beweis, dass jedes Amt von einer Frau besetzt werden kann (und Frauen dadurch nicht schlechter sind!), gibt es doch eigentlich gar nicht?!?!

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  5. Ein richtig tolles Business Outfit – mal etwas anderes als immer schwarz und weiss 🙂 Liebste Grüsse Carmen
    http://carmitive.com

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  6. Das ist wirklich ein super Artikel. Und vorallem steckt das so viel Wahres drin… Ich sehe es genauso wie Du, wieso sollten sich Frauen verstecken? Es geht ja schon im Alltag los: Wenn ich in Hamburg ausgehe und ein kurzes Kleid, Highheels und einen tieferen Ausschnitt trage, kassiere ich sicherlich komische Blicke. Interessierte Blicke von Männern und abwertende Blicke von Frauen. Ganz anders ist es zum Beispiel in Amerika: Da laufen die Frauen Abends beinahe ALLE so rum, sie mögen es einfach sich hübsch zu machen. Kein Mensch würde es dort verurteilen.
    Zum Teil leben wir schon in einer sehr verrückten Welt…
    Liebste Grüße
    Sophia
    http://miss-phiaselle.com/

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  7. Liebe Julia,
    das ist ein wunderschöner Beitrag und du sprichst mir tief aus meinem Herzen!
    Auch ich musste viele solcher Erfahrungen machen und auch bei mir hat das damals schon im Studuium angefangen. Ich habe mich schon immer „anders“ gefühlt, weil ich nicht so konservativ und fantasielos sein wollte, wie es der großteil meiner Mitstudenten war. Ich wollte infach nicht „grau in grau“ sein und deshalb hatte ich es um einiges schwerer als viele andere, die sich der Masse untergeordnet haben. Ich habe daraus gelernt, dass ich einfach ich bin. Egal, was andere darüber denken.
    Gerade im Berufsleben musste ich dann die sehr traurige Erfahrung machen, dass ich um einiges weniger verdient habe, obwohl ich komplett selbständige Arbeit geleistet habe und das mit riesem Erfolg. Ich habe nur positive Stimmen von allen bekommen. Als es aber um das Gehaltsgespräch mit dem Chef ging, wurde ich zutiefst enttäuscht. Es war so, dass mein Mann das doppelte von mir verdient hat, obwohl wir beide die gleiche Ausgangssituation haben. Wir hatten beide ein hartes Studium und wir haben beide sehr gute Qualifikationen. Der Berufseinstieg kann wirklich sehr traurig sein und man muss dann einfach den Mut haben und nach der richtigen Arbeit Ausschau halten, wo man dann anständig bezahlt und nicht komplett ausgenutzt wird.
    Viele liebe Grüße
    Jasmin

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  8. Toller Post! Du sprichst mir (und wahrscheinlich auch vielen anderen Frauen) aus der Seele. Ich finde es auch wirklich bedenkenswert, dass wir Frauen im Berufsleben oft den Männern immernoch nicht geichgestellt sind. Wir leisten genau das gleich, vielleicht manchmal mehr? Wieso soll man dann keine Kleider oder Röcke tragen dürfen? In meinem letzten Job gab es ein Video im Intranet bzgl. Dresscode: Tragen sie als Frau kein Rosa. Bin ich jetzt als Frau weniger Kompetent wenn ich eine Rosa Bluse trage? Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob meine Ideen besser sind, sobald ich einen Hosenanzug trage…
    Liebe Grüße Coco
    https://magnificoco.wordpress.com/

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  9. Toller Beitrag! Ich finde es echt schade, dass Frauen teilweise immer noch benachteiligt werden. Und ich finde, dass wir Frauen das tragen sollten, was uns gefällt. Ich persönlich finde einen schicken Rock auch viel schöner als einen Hosenanzug.

    Liebste Grüße
    Jana von bezauberndenana.de

    Auf meinem Blog gibt es gerade einen Shopper von La Martina im Wert von 229€ zu gewinnen, vielleicht hast du ja Lust mitzumachen!

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  10. Ich bin wirklich froh, dass ich in einem Job arbeite, bei dem ich tragen kann, was mir gefällt, und mich nicht jeden Tag in ein Kostüm zwängen und mich verstellen muss. Wenn ich Lust habe, mich zu stylen, kann ich das genauso tun wie im Schlabberpullover aufzutauchen. Schade, dass das (noch) nicht überall möglich ist. Dein Outfit gefällt mir aber sehr gut, vor allem die Nähte am Oberteil machen es ein kleines bisschen lässiger.

    Liebe Grüße
    Anika von MISS ANNIE

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  11. Ganz toller Beitrag! Es ist schon sehr traurig, dass sich Frauen wie Männer verkleiden müssen und nicht zu ihrer Weiblichkeit stehen können, um ernst genommen zu werden. Die einzige Möglichkeit, das zu ändern, wäre, wenn möglichst viele Frauen mit einem femininen Auftritt Kompetenz und Professionalität zeigen.

    Dein Business-Outfit ist ein perfekt! Du hast es selbst am besten beschrieben: seriös, stark, weiblich und etwas sexy … Du siehst ganz toll aus!!!

    Liebe Grüße aus Wien,
    Nadine

    http://nadinecd.blogspot.co.at

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  12. Wow, der Beitrag ist wirklich toll. Finde das du dir wirklich unglaublich viel Mühe gegeben hast und eine unglaublich tolle Art hast zu schreiben. Die Bilder sind wirklich toll geworden 🙂

    Liebe Grüße 🙂
    http://www.measlychocolate.de

    Antworten
  13. Super toller Beitrag. Ich kann dich echt gut verstehen, leider ist manchmal die Situation so, dass man sich Kleidungstechnisch schon mal verstellen muss. Dieses sagt aber noch lang nichts über das Können aus.

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  14. Toller Beitrag zu einem wirklich interessanten Thema. Diese Frage, habe ich mir auch schon ab und an gestellt.

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  15. Ich finde es wirklich gut, dass du dieses Thema ansprichst 🙂

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA

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  16. Toller Beitrag.
    Dein Outfit gefällt mir auch sehr gut, schön klassisch aber nicht langweilig!

    Liebe Grüße,
    Verena von whoismocca.com

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  17. Sehr guter Post. Ich bin ganz auf deiner Seite und sehe die Schwierigkeiten! Ich finde es furchtbar, wenn man sich so verstellen muss – gerade fürs Staatsexamen – eine staatliche Prüfung, sollte das nicht so sein!
    Liebe Grüße
    Hella von http://www.advance-your-style.de

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  18. Klasse Beitrag. Ich liebe den gewählten Business-Look. Du schaust klasse aus 🙂

    Love Minnja – minnja.de

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  19. Oh der Beitrag ist wirklich toll geschrieben! Mir geht das häufig genauso. Generell bin ich immer eher der Typ, der immer ein bisschen overdressed ist. Man hört ja auch häufig, dass Frauen in Führungspositionen kurze Haare haben. Das finde ich schon sehr paradox. Ich finde auch, dass offene Haare nix mit Inkompetenz zu tun haben! Aber wir Frauen werden bei so etwas gerne in eine Schublade gesteckt.

    Liebste Grüße,
    Sophie
    http://basicapparel.de

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  20. Hello ♥
    so ein schöner Artikel!
    Ehrlich und so direkt – I ♥ it!
    Dein Businesslook gefällt mir übrigens auch wirklich gut an Dir!
    Liebe Grüße
    http://www.femme-noble.de

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  1. The Modern Woman - - […] Thema Frausein hat hier auf meinem Blog schon mehr als einmal eine Rolle gespielt und ich komme einfach immer…

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